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Ätz- und Resinteile

Inhalt

I Materialien und Werkzeuge
II Vorbereitung
III Verarbeitung
IV Finish

Einführung

Spritzgußbausätze unterscheiden sich (nicht nur durch ihren „Altersunterschied") erheblich in Qualtät und Ausstattung. Allen gemeinsam sind Stellen, die besonders delikat sind, weil dort die Darstellung von besonders detaillierten Bereichen, wie z.B. Flugzeug-Cockpits, Fahrwerksschächte, Motorvergitterungen, Radaranlagen oder Railings gefordert ist. Hier sind den Herstellern aufgrund der Formenbautechnik, der Kostenkalkulation oder des Selbstverständnisses über das eigene Bausatzprogramm Grenzen gesetzt. Im folgenden soll ein kurzer Überblick über Ätz- und Resinteile, ihre Vor- und Nachteile, sowie deren Verarbeitung gegeben werden. Dies kann jedoch nur eine grobe Übersicht sein, da jeder Modellbauer auch hier seine eigene Technik entwickelt (hat).
EduardAetzteilbogen.jpg

Ätzteilbogen der Fa. Eduard für einen Hummer in 1:35

I. Materialien

1. Resinteile

AiresResinzuruestsatz.jpg

Der Begriff „Resin" ist der im Englischen gebrauchte Begriff für diverse Werkstoffe, wie z.B. Polyurethan (PU), Epoxy-Harze oder Zweikomponenten-Kunststoffe der verschiedensten Eigenschaften. Fast allen Materialien ist der im Vergleich zum Polystyrol eher glasige Charakter gemein. Verkauft werden diese Teile aus Einzelformen oder in einer Gruppe als Plattenguß. Auch die Kombination mit anderen Werkstoffen, wie Ätzteilen ist nicht unüblich. Resin wird heute für die Herstellung von Einzel-Detail- und Umbauteilen bis hin zu kompletten Bausätzen verwendet. Den Markt zu überblicken ist eine Vollzeitbeschäftigung.

 

 

AiresCockpitunbehandelt110g4.jpg AiresCockpitunbehandelt110g402.jpg
► Aires Resinteile zur Verfeinerung des... ► ...Cockpits (Bf 110, 1:48)

2. Ätzteile

Ätzteile sind heute ein fester Bestandteil besserer Modellbaugeschäfte. Seit den ersten „Gehversuchen" von Serien-Ätzteilen in Bausätzen, wie bei Hasegawas Mil Mi-24 „Hind" und den Trimaster-Bausätzen, hat sich schnelle eine ganzer Zweig der Zubehörindustrie auf diesem Gebiet etabliert. Railings für Schiffe aus dem Waterliner-Serien, Detaillierungssätze für Flugzeuge und bald darauf auch für Militärfahrzeuge kamen heraus. Heute ist der Markt kaum noch zu überblicken. Als Ausgangsmaterial dienen heute vornehmlich Messing, Stahl in verschiedenen Stärken. Hierbei wird das Material durch mehrere Ätzvorgänge auch mit Oberflächenstrukturen, wie z.B. Falznute, Riffelungen oder Nieten versehen. Die Eigenschaften der Ätzteile variiert aufgrund des verwendeten Materials und dessen Stärke teilweise erheblich. So ist Messing eher weich und Stahl eher zäh. Der größte Nachteil von Ätzteilen ist sicher der Umstand, daß runde Querschnitte bei Ätzteilen immer „eckig" werden. Die Verwendung aller Ätzteile, die in diese „Problemgruppe" fallen ist immer zu überdenken - ein gescratchter Hebel aus gezogenem Gußast sieht immer besser aus . . .

Aetzteilverarbeitung01.jpg

Ätzteilverarbeitung an einem Panzerturm in 1:72

3. Werkzeuge

Für die Verarbeitung benötigt man folgende Werkzeuge:

 

Ätzteile                                                               Resinteile
- Ätzteilschere oder Bastelmesser mit                - Bastelmesser und Seitenschneider
  einer Hobelklinge                                             - Planschleifbrett
- Planschleifbrett                                                - Schleifpapier verschiedener Körnung
- feine Metallfeilen                                              - Feilen
- flache lang schließende Pinzette                      - Sekunderkleber / -Gel    
- scharfe Metallkante (Lineal o.ä.)                      - Zweikomponentenkleber   
- Sekundenkleber / -Gel    

 

II. Vorbereitungen

1. Resinteile

KopieSitzschale110G4.jpg

Sitzschale Me 110 G4 in 1:48

Resinteile werden fast ausschließlich mit einem mehr oder minder mächtigen Anguß geliefert. Diese reichen von sehr schmalen Lippen, wie z.B. bei Ruderflächen bis hin zu Blöcken, auf denen z.B. Schleudersitze „tronen" und Gußplatten.

 
 

Im ersten Beispiel kann schon ein leichtes Biegen das Ablösen des Resinteils bewirken. Im anderen Extrem muß der Angußblock mit zunächst recht groben Mitteln vermindert werden (z.B. Seitenschneider oder Trennscheibe eines Minitools), um danach mit Feilen oder/und der Planschleifplatte ganz zu verschwinden. Für Angußplatten empfiehlt es sich das Teil nah auszuschneiden (die Angußplatte ist in der Regel sehr dünn) und dann die Reste auf der Planschleifplatte zu entfernen.

2. Ätzteile

Ätzteile sind komplizierter zu verarbeiten, da sie sich erheblich von der „täglichen" Modellbautätigkeit unterscheiden. Ätzteile werden plan, gefalzt oder gebogen verbaut. Für Falzarbeiten sind heutzutage Nute auf dem Ätzteil vorhanden, die sehr hilfreich sind. Das Falzen selbst sollte auf einer festen Unterlage über einer harten, geraden Kante erfolgen (z.B. Stahllineal, Feilenkante). Für kurze Falze kann auch eine lang schließende Pinzette hilfreich sein.


Biegearbeiten sind da schon etwas kniffliger: Hier rolle ich zunächst das Ätzteil auf der späteren Innenseite mit einem harten, runden Stab (Rundfeile, Metallröhrchen o.ä.) auf einer weichen Unterlage (Gummi, Mousepad o.ä.) ab, um so die Walzrichtung grob vorzugeben. Danach wird dann mit entsprechenden Durchmessern weitergewalzt. Hierbei muß der „Walzen"durchmesser immer etwas geringer sein, als der zu erzielende Durchmesser des Ätzteils.


Für das Kleben verwende ich Sekundenkleber und -Gel. Das Sekundenkleber-Gel hat sich besonders bei kleinen Punktklebungen bewährt, wo der Kleber „da bleiben soll, wo man ihn aufträgt" (Antennen o.ä.).

III. Verarbeitung

1. Resin

KopieResinteilverarbeitung01.jpg

Resinteile sind recht unkompliziert zu verarbeiten, freundet man sich mit ihrem eher glasigen Charakter an. Verzogene Teile können in der Regel in heißes Wasser getaucht, gerichtet werden. Teile aus einigen Zweikomponenten-Kunststoffen sind allerdings hitze- und damit formbeständig.


Die Öberflächen der Resinteile können mit Trennmitteln bedeckt sein. Diese lassen sich mit Seifenwasser leicht abwaschen. Sollten Teile nicht „lappen-" und „zahnbürsten"-tauglich sein hilft nur eine Grundierung mit der Spritzpistole. Diese Grundierung empfiehlt sich auch für „gewaschene" Teile, da hier nicht nur eine Überraschung beim finalen Farbauftrag vermieden wird, sondern weil sich auf diese Art auch Fehler in der Oberfläche entdecken lassen. Klebestellen werden von mir gerne leicht angerauht, damit der Sekunden- oder Zweikomponentenkleber besseren Halt findet. Dies ist für gößere Umbauteile (Tragflächen) besonders anzuraten.


Für das nachträgliche oder zusätzliche Gravieren sei wiederum an den anderen Materialcharakter erinnert. Das „Verspachteln" kleiner Löcher (Luftblasen) ist mit Sekundenkleber sehr gut zu bewältigen. Für größere Flächen hat sich auch grobes Anrauhen und normaler Spachtel als durchaus wirksam herausgestellt.

2. Ätzteile

Ätzteile sind in der Regel mit sehr dünnen Fingern mit der Ätzplatine verbunden. Das Ablösen ist je nach Feinheit des Teils, an das der Haltefinger ansetzt, vorsichtig auszuführen. Handelt es sich z.B. um einen eher groben Cockpitboden oder eine Panzerplatte, so kann ein eventuell stehengebliebener Rest des Haltefingers unkompliziert von solch einem Ätzteil mit Hilfe einer Metallfeile entfernt werden. Ist aber ein feiner Rahmen, eine Antenne oder eine Railing abzutrennen, sollte ein Schnitt nah am Ätzteil versucht werden. Für diese Arbeiten verwende ich gerne eine Hobelklinge, mit der senkrecht der Haltefinger durchtrennt werden kann. Auch eine (damals kurz von der Fa. Trimaster erhältliche) Ätzteilschere kann hier verwendet werden, wobei diese öfter einen Teil des Haltefingers stehen läßt. Die Arbeitsunterlage sollte sehr eben und hart sein (z.B. Acryglas). In der Regel sind aus Stahl bestehende Ätzteile unempfindlicher, da sie härter sind und nicht so leicht verbiegen. Sie sind deshalb aber auch schwieriger abzutrennen. Ein Lösung ist hier das kurze Glühen dieser Teile über  einer Gasherdflamme. Diese macht den Stahl weicher und besser zu bearbeiten.

IV. Finish

KopieHauptrumpfteilCockpit110G.jpg KopielinkeSeitenkonsole110G4.jpg
► Aires Resinteile zur Verfeinerung des... ► ...Cockpits fertig bemalt (Bf 110, 1:48)

1. Resin

Von dem endgültigen Farbauftrag empfiehlt sich eine Grundierung, um unsaubere Übergänge und verschiedene Oberflächengüten, die durch die verschiedene Materialeigenschaften bei Schleifen auftreten können, zu erkennen. Dies gilt besonders bei Polystyrol-Resin-Übergängen für Metallfarbgebungen, da die glatte, glänzende Oberfläche der Metallfarbe schonungslos sämtliche Oberflächengüte-Unterschiede zu Tage treten läßt. Nach dieser Grundierung kann die finale Farbgebung mit jedweder Farbe erfolgen. Es ist jedoch zu bedenken, daß sich weder Acryl- noch Emailfarbe in die Oberfläche krallen kann, da Resin von beiden Farb-Trägerflüssigkeiten nicht angelöst wird.

2. Ätzteile

Auch auf Ätzteilen können sich beide Farb"stämme" nicht festkrallen, da die Oberfläche auch hier nicht angelöst wird. Es ist daher zu einer Grundierung zu raten. Diese Grundierung ist umso wichtiger, da es sich nicht unbedingt bewährt hat, ggfs. die Ätzteiloberfläche anzurauhen.

 

© MSC Hans Grade

Text : A. Duda

Fotos : D. Hoffmann


Aktualisierung: 11/05/2010 - 23:37

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