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Tupolew ANT-40 / SB

1:72, ICM, gebaut von Bert Andermann

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Eigentlich war die SB kein Steckenpferd von mir. Das änderte sich aber, als ich letztes Jahr den neuen Bausatz von ICM in die Hände bekam. Er sah einfach zu verlockend aus, verhieß aber leider auch anspruchsvolleren Bastelspaß. Deshalb nahm ich von zusätzlichen Detailierungen Abstand, um das Projekt in absehbarer Zeit abschließen zu können. 

Das Original
Der erste Prototyp der ANT-40 hob am 7.10.1934 ab. Die Massenproduktion begann 1936. Mit einer Serienfertigung von 6831 Exemplaren bis 1941 war die SB eines der meistgebauten Bombenflugzeugmuster ihrer Zeit. In großem Umfang wurde sie ab 1936 in Spanien auf Seiten der Republik eingesetzt, sowie in der Sowjetunion im Grenzkrieg mit Japan am Chalchin-Gol 1939 und im Winterkrieg gegen Finland 1939-40 und in China. Und zu Beginn des zweiten Weltkrieges war en noch viele Einheiten mit ihr ausgerüstet.  Darüber hinaus flogen viele SB im zivilen Sektor der Sowjetluftfahrt als Fracht/Postmaschinen. Die ersten Versionen flogen mit M-100 Triebwerken, einem Linzenzbau des französischen Hispano-Suiza 12Y, mit den charakteristischen großen Kühlern. Spätere Versionen waren mit M-103/104/105 Triebwerken sowie einem moderneren bzw. aerodynamischeren Kühlerdesign ausgestattet. Ansonsten gab es keine größeren Modifikationen, abgesehen von Bewaffnungsdetails.  Die letzte Version, die aerodynamisch radikal überarbeitete Archangelski Ar-2 wurde 1941 in nicht ganz 200 Exemplaren produziert. Mitte der dreißiger Jahre war die SB zweifelsohne ein modernes Flugzeug, welches dank seiner guten Aerodynamik kaum langsamer als die schnellsten Jagdflugzeuge war. Schließlich  stellte der Großserienbau dieses Ganzmetallflugzeuges auch ein Qualitätssprung für die sowjetische Luftfahrtindurstrie dar. Das sie aber, inzwischen veraltet, bis 1941 in Produktion blieb, war größtenteils den desaströsen Nebenwirkungen des stalinistischen Terrors zu verdanken.

Bausatz
Die Oberflächendetailierung ist herausragend. Wenige feine Gravuren und viele erhaben ausgefühte Details geben faßt alles wieder, was nur machbar ist. Solch eine Detailierung ist faßt schon zuviel des Guten, aber für meinen Geschmack gut gemacht. Die Kleinteile sind sehr filigran, so fein wie es in Spritzguß nur geht. Alle Ruder sind separat ausgeführt und daher angesteuert darstellbar. Der Haken an der Sache ist aber das gebotene Qualitätsniveau. Denn die meisten Teile müssen wegen mangelnder Paßgenauigkeit bzw. Gratbildung nachgearbeitet werden. Und weil trotz aller Sorgfalt gespachtelt und verschliffen werden muß, kann viel von der feinen Oberflächendetailierung verloren gehen. Gelegenheiten dafür gibt es mehr als normalerweise üblich. Allein Rumpf und Tragflügel bestehen aus fünf Baugruppen, die jeweils aus zwei Teilen zusammengesetzt werden müssen (Bug, Rumpf- u. Tragflügelmittelstück, Heck, 2x Tragflügelaußenstücke). Noch ein Kritikpunkt: der Bombenschacht samt Bomben liegt komplett bei, Cockpit und Bug sind mager detailiert. Leider wird man vom Bombenschacht am fertigen Modell kaum etwas sehen können.

Originalgetreue
Der Eindruck ist wirklich gut. Ob aber der Rumpf ein klein wenig zu schmal ist, oder an der Rumpfunterseite ein bißchen Volumen fehlt, da möchte ich mich nicht voreilig festlegen. Mal sehen, was man noch so hört und nachgewiesen bekommt. Einen Fehler hat der Bausatz aber, wie ich an zu spät erhaltenen Abbildungen* feststellen konnte: Meine Maschine hatte zwei Rundfenster auf jeder Rumpfseite auf Höhe des Heckschützen. ICM liefert aber nur die frühe Variante mit einem Fenster.

Zusammenbau
Abgesehen von den oben angesprochenen Einpaß- u. Spachtel- u. Schleifarbeiten paßten die Bauteile und Baugruppen gut zusammen. Echte Paßprobleme hatte ich aber mit den Querrudern. Diese sind besser einzupassen, bevor die Tragflächenhälften verklebt werden. Bei den Kleinteilen fiel auf, daß der Bügel für das Bug-MG (D3) in das Klarsichtteil integriert werden mußte. Den Bügel an vorgegebenener Stelle plaziert, würde das MG im Inneren verschwinden. Schwierig war das filigrane Fahrwerk zu montieren. Das Bauteil D12 war außerdem zu kurz. Und wenn ich mir das fertige Modell anschaue, scheint mir das Fahrwerk allzu senkrecht zu stehen - ein paar Grad Neigung nach vorne wären besser.

Bemalung
Aufgrund der Kampferfahrungen am Chalchin-Gol (1939) erhielten diverse Flugzeuge einen Sichtschutz aus grünen Strichen auf ihren hellgrauen oder silbernen** Anstrich aufgespritz, so auch meine "rote 2". Bis dato flog ein Großteil der sowjetischen Kampfflugzeuge ohne Tarnschema. Neu produzierte Flugzeuge erhielten dann aber das bekanntere grün/hellblaue Tarnschema. Der Auftrag des Sichtschutzes erfolgte offenbar nicht nach einem festen Schema wie z.B. bei der deutschen Mäandertarnung. So wirkt das Strichmuster etwas wild, was für die Umsetzung am Modell gestalterischen Freiraum läßt. Ich ging in drei Schritten vor: 1. silberner Grundanstrich, 2. Klarlackauftrag inklusive anbringen der Decals, 3. Freihandauftrag des Sichtschutzes. Klarlack schien mir notwendig, da ein eigentliches Metal-Finish fehl am Platze ist. Beim Grün des Sichtschutzes wiederum habe ich mich gegen einen matten Farbton entschieden, da die damaligen sowjetischen Flugzeugfarben z.T. erheblich glänzten. Auf das obligatorische Finish mit Lack habe ich verzichtet, da mir der Erhalt der leicht unterschiedlichen Glanzgrade originalgetreuer erschien. Last but not least hätte ich meiner Airbrush gerne einen dünneren Farbstrahl abgerungen, um ein feineres Muster oder auch Nichtmuster zu erzeugen.

Trotz der mäßigen Bausatzqualität hat der Bau Spaß gemacht. Mensch sollte halt ein wenig Modellbauerfahrung mitbringen.

* Abbildungen finden sich in FliegerrevueExtra Nr. 4 sowie in der russischen M-Hobby (genaue Ausgabe ist mir unbekannt).
** Bei dem silbernen Anstrich handelte es sich um Alu-Lack, der bis in die Enddreißiger Jahre an Militärflugzeugen weit verbreitet war. Für mein Modell habe ich Silber von Revell (90) benutzt.

Aktualisierung: 01/01/2011 - 14:06

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